Kaiserbahn.de

087,0 Hollenbek


Treffen mit "Hein Hollenbek"

In Hollenbek zweigte die Nebenbahn KBS 114c nach Mölln ab, die Hein Hollenbek genannt wurde. Die Personenzüge nach Mölln wurden in den dreißiger Jahren mit der Baureihe 64 bespannt. Nach Grenzziehung verkehrte zunächst die Baureihe 56.2 mit kurzen Personenzügen. Nach weiterem Verkehrsrückgang genügten in den fünfziger Jahren eine Köf mit zwei Donnerbüchsen. Auf der Kaiserbahn gab es zu der Zeit Schienenbuslangläufe von Klein Zecher über Ratzeburg und Lübeck nach Ascheberg. Der Gesamtverkehr der Strecke nach Mölln wurde am 04.10.1959 eingestellt.



Zug nach Mölln. Aufnahme M. Flint, Sammlung Stephan Thum



VT95 am Möllner Bahnsteig in Hollenbek 1952. Aufnahme M. Flint, Sammlung Stephan Thum

Stephan Thum: Das Gebäude mit dem spitzen Dach im Hintergrund, das leider durch den Mast "geteilt" wird, ist das Stellwerk Hst, das mehrere Funktionen hatte. Von hier aus wurden die nördlich gelegenen Signale und Weichen gestellt und Ein- und Ausfahrt des "Hein Hollenbek" überwacht. Von hier aus gesehen hinter dem Stellwerk kreuzte die Straße nach Sterley die Gleise der Nebenbahn und der Hauptbahn. Das Stellwerk war zwischen den beiden Strecken gebaut worden und die Schranken wurden von hier aus bedient ...



Letzter Zug auf der Nebenbahn nach Mölln am 3.10.1959. Aufnahme M. Flint, Sammlung Stephan Thum

Nach Ratzeburg verkehrt nur ein Solo-VT. Auf dem mittleren Bahnsteig befindet sich ein hölzerner Unterstand als Wetterschutz bei der Zugabfertigung. Rechts ist noch der Wasserturm zu erkennen. Ein baugleicher Turm steht in Wittenburg.


Die Entwicklung der Gleisanlagen


Gleisplan von Hollenbek in den 20er Jahren mit den seinerzeit noch vorhandenen doppelten Gleisverbindungen



Gleisplan in den 60er Jahren nach Abbau der Strecke nach Mölln. Nach Klein Zecher beträgt die Höchstgeschwindigkeit hier 15 km/h.



Gleisplan ab 1973. Hollenbek ist nun Streckenende. Der Bahnübergang ist mit einer Gleissperre gesichert.



Hollenbek Wasserturm
Wasserturm mit Fachwerk im Kesselbereich

Wassertürme an der Kaiserbahn

Die Aufnahme des Wasserturms aus dem Jahr 1916 wurde freundlicherweise von Stephan Thum zur Verfügung gestellt (Sammlung Flint).

Stephan Thum schreibt in einem Beitrag für Drehscheibe-Online:
Die ehemalige Kursbuchstrecke 114c Hagenow-Land - Ratzeburg - Oldesloe, auch als Kaiserbahn bekannt, war von Anfang an als Hauptbahn konzipiert. Die Trassierung erfolgte so, dass ein zweigleisiger Ausbau ohne weiteres hätte durchgeführt werden können. Alle Brücken über die Strecke waren so ausgeführt, dass ein weiteres Gleis mit dem 1897 gültigen Gleismittenabstand von 3,5 m hätte verlegt werden können. Brücken, auf denen die Strecke Hindernisse überquerte, waren für den Ausbau vorbereitet. Das erforderliche Gelände befand sich im Besitz der Bahn.

Eine Besonderheit der Strecke war, dass zwei der Unterwegsbahnhöfe mit Wassertürmen ausgestattet waren. Der eine steht heute noch - zunehmend baufällig und seines Wasserbehälters beraubt - in Wittenburg, der zweite befand sich in Hollenbek. Die beiden Türme waren bis auf die Tür- und Fensteraufteilung baugleich. Als sie neu gebaut wurden, war das Obergeschoss in Fachwerkbauweise errichtet worden. Irgendwann in den zwanziger Jahren wurde der Hochbehälter komplett ummauert. Sparsam wie man bei Preussens war, wurden die alten Steine wieder verwendet und nur das, was noch fehlte mit neuen Klinkern ergänzt.


Pumpenhaus in Hollenbek. Aufnahme von Stephan Thum

In Hollenbek erfolgte die Wasserversorgung über einen Tiefbrunnen, der rund 500 m vom Wasserturm entfernt war. Pumpenhaus und Hochbehälter waren elektrisch verbunden, so dass die Pumpe immer dann ansprang, wenn der Wasserstand unter einen bestimmten Pegel gesunken war. Der Hollenbeker Wasserturm wurde in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre gesprengt.

Warum nun ausgerechnet in den beiden genannten Orten die Türme errichtet wurden und in anderen Bahnhöfen nicht, entzieht sich meiner Kenntnis. Möglicherweise hatte es etwas mit der strategischen Bedeutung der Strecke zu tun oder man fürchtete, dass einer Lokomotive des Kaiserzuges das Wasser ausgehen könnte. Aber das ist nun wirklich Spekulation.



Empfangsgebäude Straßenseite in den 70er Jahren. Aufnahme Klaus-Dieter Schwerdtfeger (Kreisarchiv Stormarn I16, Creative Commons Lizenz)




Empfangsgebäude von der Gleisseite am 27.06.1981. Die beiden Pfeiler am Gleis trugen früher die Holzrampe, die bis an den Güterschuppen reichte.
Aufnahme Jan von Busch





An der Ladestraße in den 70er Jahren. Aufnahme Klaus-Dieter Schwerdtfeger (Kreisarchiv Stormarn I16, Creative Commons Lizenz)



Christoph Arndt hat in einem Beitrag im Historischen Forum von Drehscheibe Online Bilder von Hollenbek eingestellt und schreibt dazu:
Der Bahnhofsgebäude entspricht den größeren Bahnhöfen dieser Strecke in Hagenow Stadt und Wittenburg. Während die Strecke nach Mölln im Gesamtverkehr am 04.10.1959 eingestellt wurde, hielt sich der Personenverkehr auf der Kaiserbahn bis zum 30.09.1962, der Güterverkehr bis Klein Zecher bis zum 31.12.1971 und von Güterverkehr aus Ratzeburg bis nach Hollenbek sogar bis zum 14.12.1994. Hauptladegut waren bis zuletzt Zuckerrüben. Heute hat die Erlebnisbahn Ratzeburg in Hollenbek einen Jugendbahnhof eingerichtet, der in seiner Aufmachung an die Folgen eines Bombenangriffes vom Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern soll, als ein Munitionszug nach Bombentreffern im Bahnhof von Hollenbek explodierte.



Anschluss Kogel

Der Anschluss auf freier Strecke bei km 38,6 diente dem Abtransport landwirtschaftlicher Produkte des Gutes in Kogel. Am Ende des normalspurigen Anschlussgleises befand sich eine recht hohe Rampe, die früher von einer Feldbahn befahren wurde, sowie ein längerer Schuppen.


Der Gleisanschluss des Gutes Loos in Kogel. Bild von Christoph Arndt24.03.1991




Anschluss Kogel


Die folgende Aufnahme aus den 1980er Jahren zeigt die Bedienung des Anschlusses, Blickrichtung ist von der Weiche nahe dem Anschussende. Die Strecke der Kaiserbahn verläuft im Hintergrund beim Hochsitz. Die Lokomotive schiebt bald die beladenen Wagen zurück auf die Strecke, um die Fahrt nach Ratzeburg fortzusetzen.

Anschluss Kogel
Bild von H-M. Blank aus der Bildersammlung mobawo von Birger Kaiser.

Das Ende des Anschlussgleises. Leere Rübenwagen wurden zur Beladung bereitgestellt.

Anschluss Kogel
Bild von H-M. Blank aus der Bildersammlung mobawo von Birger Kaiser.


Weitere Bilder: