Kaiserbahn.de

123,2 Hagenow Land


Anschluss nach Berlin

Hagenow Land
110 110-4 in Hagenow Land mit dem P9374     © Andreas Rossel


Hagenow Land ist der Endpunkt der Kaiserbahn. Hier besteht Anschluss nach Hamburg, Berlin und Schwerin. Die Züge aus Zarrentin wurden teilweise bis Dömitz oder Ludwigslust durchgeführt.

In den dreißiger Jahren fanden bei Hagenow Land auf der Hauptstrecke Hamburg - Berlin die Rekordfahrten mit der Baureihe 05 statt, bei denen Geschwindigkeiten von 200 km/h erreicht wurden. Zu der Zeit kamen auch die legendären Schnelltriebwagen der Bauart "Fliegender Hamburger" zum Einsatz, an die die 601er-Garnitur der Deutschen Reichsbahn 1990 erinnerte. Die Aufnahme unten zeigt die Jungfernfahrt am 1. April 1990.



Die D-Züge Kiel - Berlin zur Reichsbahnzeit

Anfang der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts fuhren vier D-Züge über die Kaiserbahn, die die Relation Kiel - Berlin bedienten. Es handelte sich dabei um D61, D63, D64 und D66, die von Kiel über Plön nach Ratzeburg fuhren und in Hagenow-Land auf die Strecke Berlin - Hamburg trafen. Planmäßig führten die BR17.10 des Bauloses 1911 vom BW Kiel die Züge. Seinerzeit waren folgende Maschinen dort stationiert:

• 17 1061  • 17 1063  • 17 1070  • 17 1071  • 17 1072  • 17 1089  • 17 1149

Leider gibt es keinerlei Betriebsaufnahmen der Baureihe 17.10 vor den D-Zügen. Im Buch "Die Privatbahn Eutin - Lübeck (1870 - 1941)" von
Hans-Harald Kloth befindet sich eine Aufnahme des D63 im Jahr 1911 in Malente-Gremsmühlen, jedoch ohne Abbildung der Lokomotive. In dem Buch sind auch Aufnahmen von Wagen des D64 vorhanden, der 1937 in Pönitz verunglückte durch das Umstellen einer Weiche unter dem Zug. Glücklicherweise gab es damals nur fünf Leichtverletzte. Weitere Informationen zum Unfall:
Entgleisung des D 64 am 04. Juli 1937 (luebeck-buechener-eisenbahn.de)


Neben der planmäßig vorgesehenen BR17.10 kam auch die BR38 zum Einsatz, wie die folgende Aufnahme zeigt:

38 2608 in Berlin Lehrter Bhf
38 2608 in Berlin aufgenommen von Herbert Treichelmit freundlicher Genehmigung der Eisenbahnstiftung

38 2608 (Bw Kiel !) fährt mit D 66 aus dem Lehrter Bahnhof in Berlin, einem Zuglauf von 344 km für die P 8. Links befindet sich die Postladeanlage. Sie befand sich auf der Ostseite der Gleisanlagen, am nördlichen Ende der Bahnhofshalle. Zwischen die Invalidenstraße und die Birkenallee (heute Alt-Moabit) eingezwängt, grenzte sie rechtwinklig unmittelbar an die Halle des Lehrter Stadtbahnhofs. Da die überdachten Ladesteige quer zu Achse der Hauptgleise lagen, wurden die Wagen über zwei Segmentdrehscheiben umständlich dorthin verbracht. (1938)


Vom D64, der nur die 2. und 3. Klasse führte, ist die damalige Wagenreihung bekannt:   • PwPost4ü  • B4ü  • C4ü  • 3x C4ü  • WR  • BC4ü  
Das Gesamtgewicht betrug 315t. Genügte für die Relation Berlin - Kiel der standardäßig vorhandene 2'2'T21,5 oder war für die P 8 ein sogenannter Langlauftender 2'2'T31,5 erforderlich?

38 2608 in Berlin Lehrter Bhf
Der 2'2'T21,5 (links) fasste 7t Kohle und 21,5 m3 Wasser2'2' T31,5 mit Aufsatz (rechts) nahm 7,5 t Kohle und 31,5 m3 Wasser auf

Die Rechnung erfolgt unter diesen Randbedingungen:


Wenn man am Wasserkran einen Wasserdurchfluss von 10m3 Wasser/min rechnet, dann dürften 5 Min Aufenthalt zum Befüllen des Tenders ausreichen. Die großen Wasserkräne für Schlepptenderloks sollten damals 10 m3 /min schaffen. Wenn die P 8 durchschnittlich 10 m3 Wasser für die D-Züge auf 100km verbraucht hätte, dann müssten in Lübeck und Wittenberge die Vorräte ergänzt werden, wobei in Lübeck ca. 8 m3 aufgenomen werden mussten. Der Kohleverbrauch für die Gesamtstrecke beträgt unter den gegebenen, optimalen Bedingungen 4890 kg, somit wären beide Tender geeignet.

Anders sah es allerdings zur Urlaubszeit aus. Dann gab es aufgrund der hohen Auslastung Vorzüge zu den D-Zügen und Kurswagen z.B. nach München. Auch spielt das Wetter eine gewisse Rolle. Bei starkem Gegenwind steigt der Verbrauch und die Höchstgeschwindigleit kann unter Umständen nicht ausgefahren werden. Ob dann ein Langlauftender benötigt wurde, kann heute kaum mehr festgestellt werden. Abschließend noch eine Aussage, die sich sinngemäß im Buch von Karl Julius Harder über die P8 findet: Er schreibt darin, dass der D66 Ende der zwanziger Jahre von der P8 gezogen wurde, als Langlauf. Von entsprechenden Tendern ist aber nicht die Rede. "Nur" von der anstrengenden Arbeit des Personals, das dann gegen Ende der Fahrt jeden Kohlebrocken aus dem letzten Winkel des Tenders holen musste und das bei einer Fahrtdauer von rund sechs Stunden ...



Fahrplan von 1925 mit den Zügen D63 und D64. Sie befuhren nur die Teilstrecke Ratzeburg - Hagenow Land.



Hagenow Land in den 90er Jahren


Hagenow Land
41 360 auf der Schweriner Bahnhofsseite mit einem Sonderzug nach Bad Doberan

Hagenow Land
Der Zug rechts mit 112 415-5 fuhr kurz nach der Aufnahme nach Zarrentin ab, 119 009-9 wird ihren Zug nach Hamburg-Bergedorf bringen.

Von Zarrentin fuhren die Züge damals noch bis Ludwigslust oder Dömitz und zurück. Daher standen sie in Hagenow Land auch auf der Berliner Bahnhofsseite. Die Abbildung zeigt einen Zug aus Ludwigslust mit 110 143-5 bei der Einfahrt aus Richtung Berlin:

Hagenow Land
Einfahrt aus Richtung Berlin

Auch zu Hagenow Land gibt es im Historischen Forum von Drehscheibe Online einen Beitrag.



Weitere Bilder: